Sebastian Schwerk ist Leiter Social Media bei unserer PR Agentur Frische Fische. Außerdem leitet er die Dresdner Scheune Akademie, die Seminare und Workshops im Bereich Musikwirtschaft, Social Media und Popkultur anbietet. Behandelt werden u.a. Themen wie Urheberrechte, GEMA, Labelarbeit, Booking, Management, Youtube, Internetradio, Facebook, Twitter oder Soundcloud.
Da wir ja einige Musiker unter unseren Kunden haben, die Flyer, Plakate oder CD Booklets drucken, habe ich ihn auf das Thema direkt mal angesprochen. Herausgekommen ist ein spannendes Interview über Gestaltung und Sparpotentiale bei der CD Produktion.
Nora: In deinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es viele Musiker. Was bei deinem Engagement in diesem Bereich nicht verwunderlich ist. Kannst du uns ein genaueres Bild von deren Aktivitäten geben?
Sebastian: Viele von ihnen sind Musiker und Bands ohne Label und Vertrieb. Sie produzieren CDs vor allem für den Eigenvertrieb im Netz und auf Konzerten sowie zu Promotion-Zwecken. In der Regel liegt die produzierte Stückzahl bei 1.000 oder 2.000 Stück.
____________________________________________________________________
Nora: Das steckt bestimmt noch viel Liebe im Detail, oder?
Sebastian: Ja, gerade Kleinauflagen sollten auch Liebhaberstücke werden. Ein Künstler sollte daher auch den „äußeren Werten“ hohes Gewicht beimessen. Dabei sind Design und Verpackung nicht nur Verkaufsargumente, sondern ebenso Türöffner beim Versand an Konzertveranstalter und Labelmanager.
____________________________________________________________________
Nora: Wie kommst du zu diesem Schluss und was sollte unbedingt beachtet werden?
Sebastian: Das Äußere einer CD, ist neben der Musik, ihr wichtigstes Marketinginstrument. Das Design einer CD sollte nach Möglichkeit nicht „allen“ gefallen, sondern die potentielle Hörerschaft (Zielgruppe) sofort ansprechen. Aber bitte ohne bloßes Kopieren von Ideen bekannter Bands. Es sollte Emotionen wecken und auf Plakaten, Flyern und Anzeigen adaptierbar sein.
____________________________________________________________________
Nora: Wie würdest du an die Erstellung eines CD-Covers herangehen bzw. was würdest du Musikern bei ihrer ersten eigenen CD raten?
Sebastian: Wer am Design spart, spart am falschen Ende! Es zahlt sich dabei absolut aus, professionelle Unterstützung zu suchen und nicht aus Kostengründen den Bekannten eines Bekannten zu engagieren. Viele professionelle Designer sind leidenschaftliche Musikfans und arbeiten zu Sonderkonditionen für Künstler, deren Musik ihnen gefällt. Sowieso ist dies die beste Vorrausetzung für eine fruchtbare Zusammenarbeit.
____________________________________________________________________
Nora: Wo findet man den passenden Grafikdesigner für seine Musik, sein Cover und was meinst Du mit Sonderkonditionen?
Sebastian: Wer nicht weiß, wie er den richtigen Grafiker findet, sollte sich Tipps bei lokalen Szene-Experten holen. Musikjournalisten (Tagespresse, Stadtmagazine, Internetradios) oder Booker aus der Region geben bestimmt gerne Antwort. Außerdem lohnen sich Aufrufe über Myspace, Facebook oder Twitter, wenn man dort vertreten ist.
Da die meisten Bands nicht gerade üppige Budgets zur Verfügung haben, macht es durchaus Sinn, verschiedene Honorierungsmodelle mit dem Grafiker zu verhandeln. Denkbar sind Ratenzahlungen oder ein Mix aus Fixhonorar und einer Beteiligung je verkaufter CD der ersten Auflage. In beiden Fällen bleiben liquide Mittel frei für Marketing- und PR-Maßnahmen.
____________________________________________________________________
Nora: Wie geht es weiter, wenn die Cover fertig designed sind?
Sebastian: Was viele nicht wissen, es lässt sich zum Beispiel viel Geld sparen beim Druck der Booklets.
Das Kerngeschäft von CD Presswerken ist das Pressen von CDs. Die Drucksachen (vor allem das Booklet) werden zwar immer mit angeboten, kosten aber in der Regel wesentlich mehr als bei einer reinen Online-Druckerei wie Eurer.
Für ein 12-seitiges Booklet (4 Seiten Umschlag, 8 Seiten Inhalt, 4/4-farbig, Auflage 2.000 Stück) habe ich bei Presswerken Bruttopreise zwischen 320,00 und 380,00 Euro gefunden. Bei Euch lag der Preis bei rund 200,00 Euro.
Ein Teilnehmer unsere Scheune Akademie Kurse hat gerade beim Druck von 5.000 Booklets (16seitig) über 500,00 Euro gespart gegenüber der Herstellung übers Presswerk.
____________________________________________________________________
Nora: Jetzt muss das Booklet zusammen mit der CD aber noch verpackt werden. Was kannst du da empfehlen?
Sebastian: Digipacks sind bei limitierten Kleinserien immer besser geeignet als Jewel-Cases. Egal ob im Laden oder am Merchandise-Stand: Digipacks werden häufiger in die Hand genommen. Es fühlt sich einfach wesentlich hochwertiger an. Gerade bei Verkäufen auf eigenen Konzerten wird das Gefühl verstärkt, etwas ganz besonderes mitzunehmen.
![]() |
![]() |
| Digipack | Jewel-Case |
Damit das bei Euch gedruckte Booklet in die Verpackung kommt, gibt es zwei Möglichkeiten.
1. Viele Presswerke erlauben die Anlieferung eigener Drucksache. Das funktioniert bei Digipacks genauso wie bei Jewel-Cases und hat den Vorteil, dass man die CDs auch einschweißen lassen kann.
2. Bei Digipacks kann man die Konfektionierung auch recht einfach selber übernehmen und die Booklets im Rahmen eines Bastelnachmittags selber eintütet
Übrigens: Beim selber konfektionieren kann man z.B. auch noch einen Aufkleber als Goodie mit einpacken.
____________________________________________________________________
Nora: Dabei kann man dann aber CDs nicht mehr einschweißen, oder?
Sebastian: Richtig, das kann nur ein Presswerk. Aber das lohnt sich auch nur, wenn die CD über den regulären Handel verkauft wird und das ist bei diesen Auflagen in der Regel eh nicht der Fall. Wer den Beleg der „Jungfräulichkeit“ der CD beweisen möchte, der kann die CD auch in einem transparenten Umschlag stecken und versiegeln, das sieht super aus und zeigt die Kreativität der Band. Insgesamt fehlt es mir sehr oft bei Musikern an solchen Ideen. Musiker wollen als Künstler ernst genommen werden. Das sollte sich nicht nur auf die Musik beschränken.
____________________________________________________________________
Nora: Danke für das Gespräch.
Der Autor: Nora






















