Willkommen zum 2. Teil beim Tutorial zum Bilder schärfen - diesmal mit GIMP. Die Anleitung für Photoshop finden Sie hier. Mit GIMP gibt es ebenso einige Möglichkeiten Bilder zu schärfen.
Da ist zum Einen das Schärfen mit einem mitgelieferten Filter, dann wie bei Photoshop auch das Unscharf maskieren (USM) im RGB-, im Lab- und im HSV-Modus und zu guter Letzt über den Hochpass. Der Hochpass existiert zwar nicht von vornherein in GIMP, aber wie so oft bei GIMP gibt es ein Skript zum Download.
Zunächst möchte ich aber auf die einfachste, aber nicht unbedingt auch die beste Methode, Bilder in GIMP zu schärfen, eingehen – das Schärfen mit dem mitgelieferten Filter im RGB-Modus. Als Bild verwende ich ein hübsches Foto aus dem Ort Castiglione d’ Orcia in der Toskana.
GIMP: Schärfen im RGB - Modus
1. Wir öffnen das Bild in GIMP (Strg + O), duplizieren die Hintergrundebene, indem wir auf das Symbol unten in der Mitte des Ebenendialoges klicken, und benennen die Ebene in „Schärfen“ um.
2. Nun rufen wir über Filter -> Verbessern -> Schärfen den gewünschten Dialog auf. Es öffnet sich ein Dialog, in dem Werte für die Schärfe von 1 bis 99 eingegeben werden können. Es empfiehlt sich aber, die Werte nicht zu hoch zu wählen, da sonst ein unerwünschtes Bildrauschen entsteht bzw. das schon im Bild vorhandene Rauschen verstärkt wird. Ich habe hier einen Wert von 45 genommen. Um das Ergebnis richtig überprüfen zu können, sollten wir, wie schon in Photoshop, mit einer Zoomstufe von 100 % arbeiten. Dazu entweder die Zoomstufe unter Ansicht -> Vergrößerung einstellen oder einfach die Zahl 1 drücken. Da sich das Schärfen auf alle drei Kanäle (R/G/B) gleich auswirkt, können Farbverschiebungen an den Motivkanten entstehen. Es kann aber auch vorkommen, dass das Farbrauschen und die JPEG-Artefakte (also die, durch das Komprimieren entstandenen, Farbblöcke) unschön verstärkt werden. Abhilfe schafft dabei das selektive Schärfen, wobei nur die Helligkeitskanäle geschärft werden (L in LAB, Wert / V in HSV).
GIMP: Unscharf maskieren im RGB – Modus
3. In der zweiten Methode geht es um das Unscharf Maskieren (USM) im RGB-Modus. Dazu das Bild öffnen, auf 100 % Zoom stellen (1), die Hintergrundebene duplizieren, die neue Ebene umbenennen und über Filter -> Verbessern -> Unscharf maskieren aufrufen. Die dort angegebenen Einstellmöglichkeiten entsprechen denen in Photoshop. Ich habe hier Werte von 0,5 / 0,55 / 1 gewählt, obwohl ich dank der Auflösung von 180 dpi bei diesem Bild auch einen deutlich höheren Wert für den Radius hätte wählen können. Aber das fein strukturierte Mauerwerk macht es hier dem Programm bei einem größeren Radius schwierig, die Kanten zu finden und diese zu schärfen.
GIMP: Unscharf maskieren im Lab – Modus
4. Nun geht es ans Unscharf Maskieren im Lab-Modus. Dazu das Bild aufrufen, die Hintergrundebene duplizieren und auf Farben -> Komponenten -> Zerlegen gehen. Dort LAB einstellen und den Haken bei „In Ebenen zerlegen“ gesetzt lassen.
5. Nach der Bestätigung der Eingabe mit OK öffnet sich ein neues Fenster, in dem wir nun wieder den Filter Unscharf maskieren auf die Ebene „L“ anwenden. Die Anwendung des Filters nur auf den Helligkeitskanal L (L steht hierbei für Lightness) hat den Vorteil, dass man hier Farbschleier vermeidet, da man die Farbwerte bei der Bearbeitung nicht berührt, sondern nur die Helligkeit, und somit kann auch hier stärker nachgeschärft werden.
6. Nach der Anwendung des Filters können wir über Farben -> Komponenten -> Wieder zusammenfügen das Bild wieder vereinen. Das LAB-Bild kann nun, wenn alle Änderungen zufriedenstellend sind, ohne Speichern geschlossen werden. Sollte die Schärfung doch etwas zu stark ausgefallen sein, kann die Deckkraft der duplizierten Hintergrundebene noch gesenkt werden.
GIMP: Unscharf maskieren im HSV-Modus
7. Genauso verfahren wir, wenn wir das Bild im HSV-Modus schärfen wollen. Bild öffnen, Hintergrundebene duplizieren, Bild in HSV-Modus überführen (-> Zerlegen), die Ebene „Wert“ Unscharf maskieren, Bild wieder zusammenfügen und eventuell noch die Deckkraft der HSV-Ebene herabsetzen (hier: 70%), falls die Schärfung zu stark ausfällt. Der einzige Unterschied zur LAB-Methode ist der andere Farbmodus. Beim HSV-Modell steht das H für den Farbton (Hue), das S für die Sättigung (Saturation) und das V für den Hellwert (bzw. die Dunkelstufe / V für Value). Da wir aber wieder nur die Ebene „Wert“ unscharf maskieren, ändern wir somit auch wieder nur die Schärfe der Hellwerte.
GIMP: Skript Unsharp Masking 2.0
8. GIMP wäre nicht GIMP, wenn es dafür nicht schon ein Skript geben würde, welches hier heruntergeladen werden kann. Wir installieren das Skript in diesen Pfad: C:\Programme\GIMP-2.0\share\gimp\2.0\scripts, starten GIMP neu oder frischen die Skripte auf (Filter -> Script – Fu -> Skripte auffrischen) und finden das Skript unter Script – Fu -> Photo -> Unsharp Masking 2.0.
GIMP: Hochpass - Filter
9. Zu guter Letzt wenden wir noch den Hochpass-Filter an. Da es diesen leider standardmäßig nicht in GIMP gibt, müssen wir uns hier ein entsprechendes Skript herunterladen. Dieses installieren wir in dem im vorherigen Schritt angegebenen Ordner und finden es dann nach Auffrischung der Skripte unter Filter -> Allgemein -> High Pass Filter. Wir geben nun den gewünschten Radius ein. Dabei müssen wir uns vor Augen führen, dass GIMP alle unter diesem Radius liegenden Werte weichzeichnet, die darüber liegenden Werte aber verwirft. Dieser Radius legt also die Stärke der Details fest, welche anschließend vom Filter geschärft werden. Ich habe hier einen Radius von 5 gewählt und den Haken bei „Keep Original Layer“ gesetzt gelassen.
10. Im Ebenendialog erscheint nun die bearbeitete Ebene. Deren Ebenenmodus stellen wir auf „Überlagern“ und senken eventuell die Deckkraft noch etwas (hier: 70%), um eine mögliche Überschärfung abzumildern.
Sie sehen also, dass es viele verschiedene Wege in Photoshop und GIMP gibt, um unser Ziel, ein schärferes Bild, zu erreichen. Es lässt sich schwer sagen, welche der vorgestellten Methoden „die Beste“ ist, da dies immer vom jeweiligen Ausgangsbild abhängig ist. Je besser das Ausgangsbild ist, umso besser werden die Ergebnisse der Bearbeitung bzw. umso unnötiger wird eine anschließende Bearbeitung. Ich persönlich bevorzuge hier das sogenannte Lab-Schärfen, also das Schärfen der Helligkeitswerte im Lab-Modus.
Der Autor: Martin






























