
Im heutigen Tutorial soll die „Interaktiv abpausen“ – Funktion im Adobe Illustrator etwas näher erläutert werden. Mit dieser Funktion ist es möglich, schnell und mit recht guten Resultaten eigene Bilder, also Rasterdaten, automatisch in Vektordaten umwandeln zu lassen.
Ein paar Tricks können helfen, die Ergebnisse zu verbessern.
Aufwand
Für das Durchprobieren aller in diesem Artikel beschriebenen Funktionen müssen Sie ca. 4 Stunden Zeit einplanen. Der Schwierigkeitsgrad richtet sich an Anfänger.
Das gewählte Bild sollte nicht zu groß sein. Die Abpausfunktion benötigt sehr viele Ressourcen und kann Euren Rechner durchaus für ein paar Minuten komplett blockieren. Im Photoshop oder in Gimp kann das Bild noch bereinigt werden. Kleinere Pixelfehler, unerwünschte Bildelemente oder Verschmutzungen bei gescannten Bildern lassen sich mit dem Pinselwerkzeug entfernen. Außerdem kann der Einsatz des Weichzeichner – Werkzeuges (R) im Photoshop hilfreich sein, um eventuelle Scanstörungen zu retuschieren. Gleich mit dem Weichzeichenfilter zu arbeiten ist nicht zu empfehlen, da dieser auch die Umrisse des Bildes unscharf macht. Für diese ist es aber wichtig, dass sie richtig knackig scharf sind. Das verbessert das vektorisierte Ergebnis enorm. Eine Verbesserung kann auch durch Einstellungen der Farbsättigung erzielt werden.
Einstellung: Standard
Das gewünschte Bild einfach mit dem Illustrator öffnen und anklicken. Es erscheint oben in der Steuerungsleiste der Button „Interaktiv abpausen“. Illustrator erstellt zunächst ein Vektorbild mit den Standardeinstellungen.
Das hier gewählte Bild ist relativ klein und vom Motiv her relativ einfach strukturiert gehalten, um das Abpausergebnis so gut wie möglich und die benötigte Rechenzeit so gering wie möglich zu halten.
Nun besteht die Möglichkeit, verschieden Einstellungen vorzunehmen. Dazu zunächst das Dialogfeld “Abpausoptionen” rechts neben den Vorgaben in der Steuerungsleiste öffnen.
Schwellenwert
Zunächst arbeiten wir mit der Einstellung des Schwellenwertes eine klare Trennung zwischen schwarzen und weißen Bildteilen herausarbeiten. Die Einstellung des Schwellenwertes kann nur im Modus Schwarz – Weiß vorgenommen werden. Der Schwellenwert legt fest, dass alle Pixel, die geringer als der Schwellenwert sind, im Abpausergebnis weiß dargestellt werden. Pixel, deren Wert über dem Schwellenwert liegt, werden Schwarz dargestellt. Bei einem niedrigen Schwellenwert werden also mehr Teile des Bildes weiß, bei einem hohen Schwellenwert werden mehr Pixel im Bild schwarz. Die beiden unteren Bilder sollen dies verdeutlichen. Links mit Schwellenwert 1 und rechts mit Schwellenwert 255:
Mit verschiedenen Vorgaben könnt Ihr verschieden gute Ergebnisse erzielen, je nach Anspruch an das Ergebnis und dessen weiterer Verwendung. Hier kann nach Lust und Laune ausprobiert werden, wenn das Häkchen “Vorschau” aktiviert ist
Nun kann durch Einstellung des Weichzeichners das Ergebnis verbessert werden. Der Weichzeichner bewirkt, dass je höher der Wert dafür gewählt wird, Details verloren gehen, in dem sie weichgezeichnet werden. Untenstehendes Bild verdeutlicht die Wirkung des Weichzeichners wieder. Links mit dem Wert 0 und rechts mit dem Wert 20:
Konturenstärke
Im Illustrator ist es auch möglich, entweder die gesamte Fläche eines Objektes im Bild zu vektorisieren oder nur dessen Kontur. Ist nur die Kontur das primäre Ziel, gibt es dafür noch weitere Einstellmöglichkeiten. Die maximale Konturstärke legt fest, ob ein Bereich nur mit einer Kontur versehen wird oder, wenn er die maximale Konturstärke überschreitet, zu einem konturierten Bereich zusammengefasst wird. Ein hoher Wert bewirkt, dass viele Bereiche im Bild zu solchen Bereichen zusammengefast werden. Untenstehendes Bild verdeutlicht dies wieder. Außerdem kann noch die minimale Konturlänge eingestellt werden, die festlegt, welche Bereiche im Originalbild als Kontur in die Vektorgrafik übernommen werden. Auf dem unteren Bild sind aber nur die Einstellungen zur Konturstärke dargestellt. Links ein niedriger Wert, rechts ein hoher Wert:
Pfadeinpassung
Unter der Option „Pfadeinpassung“ kann festgelegt werden, wie genau sich das Vektorbild an die Vorgabe des Originalbildes halten soll. Bei einem niedrigen Wert für die Pfadanpassung wird die Vektorgrafik eng um das Originalbild herum erstellt. Bei einem hohen Wert wird nicht so exakt angepasst.
In den Optionen kann auch ein Grenzwert für das kleinste, zu vektorisierende Objekt festgesetzt werden. Dabei bedeutet ein Wert von 16 zum Beispiel, das Elemente unterhalb von 4 px Breite und 4 px Länge nicht erfasst werden.
Als letzte Anpassungsoption soll hier der Eckwinkel genannt werden. Der Eckwinkel legt die Schärfe einer Kurve fest. Hier wird also entschieden, ob eine Kurve im Originalbild im Vektorergebnis als Eckpunkt dargestellt wird oder als Übergangspunkt.
Alle diese Optionen erfordern natürlich eine genaue Vorstellung von ihrer Wirkung auf das Abpausergebnis und von dem gewünschten Ergebnis in Hinblick auf Bearbeitungszeit und Genauigkeit. Mit den in Illustrator vordefinierten Vorgaben können auch recht gute Ergebnisse erzielt werden. Diese bieten schon eine recht breite Auswahl an verschiedenen Abpauseinstellungen, welche jeweils unterschiedliche Ergebnisse erzielen und unterschiedlich lange Rechenzeiten benötigen.
In den folgenden Bildern sollen an Hand von zwei verschiedenen Motiven vergleichend die wichtigsten Abpausmodi erläutert werden. Zunächst die Originalbilder, wobei das linke Bild unser schon bekanntes Hufeisen ist.
Original
Voreinstellung Standard
Voreinstellung Farbe 16
Voreinstellung Grausstufen
Voreinstellung Einfaches Logo
Hieraus läßt sich erkennen, dass die Voreinstellungen gute Möglichkeiten bieten, effizient zu arbeiten, aber auch immer Raum für Verbesserungen lassen. Nach dem die perfekte Einstellung gefunden ist, muss man nur noch auf Umwandeln klicken und schon ist die Vektorgrafik fertig. Danach läßt sich dem Bild oder Teilen davon mit der Funktion “Interaktiv malen” schnell eine andere Farbe geben.
Ein schönes Wochende!
Der Autor: SteAm






























