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Die visuelle Wahrnehmung jedes Menschen ist anders und die Beurteilung von Bildern sowie Logos subjektiv. Ein gutes Beispiel dafür ist das Bild auf der linken Seite. Je nach Art der Betrachtung, ist entweder eine junge oder eine alte Frau darauf zu erkennen. Um Verwirrungen bei der Wahr-nehmung von Logos zu vermeiden, sollten daher während der Logoentwicklung die Gesetze des visuellen Gestaltens berücksichtigt werden. Sie tragen vor allem zur Strukturierung von Elementen und somit zur leichteren Interpretation eines Logos bei. |
Die Entstehung der Gesetze des visuellen Gestaltens, wie wir Sie heute kennen, ist auf die Berliner Schule der Gestaltpsychologie zu Beginn des 20. Jahrhunderts zurückzuführen. Zu dieser Zeit stellten sich die Begründer dieser Lehre Fragen wie die Folgenden:
- Welche Eigenschaften machen ein “Ding” zu einer Figur in unserer Wahrnehmung, die von anderen Figuren unterschieden ist?
- Wodurch wird das Erkennen von Zusammenhängen (und Unterschieden) erleichtert oder erschwert?
- Wovon hängt es ab, wie leicht oder wie schnell wir eine Figur oder Form erkennen?
- Warum sehen wir das eine als Vordergrund und das andere als Hintergrund?
- Wie und warum sehen wir Zusammenhänge zwischen Dingen?
- Wie entsteht der Eindruck einer Form?
- Was ist eine “gute” Form?
Aus diesen Fragen und deren Beantwortung heraus entwickelten sich u.a. folgende Gesetze:
Gesetz der Nähe
Einzelne Elemente, die dicht beieinander liegen, werden eher als zusammengehörig interpretiert, als Elemente mit größerem Abstand zueinander. Auf diese Weise können viele Einzelelemente den Eindruck eines großen Ganzen erwecken. So ergeben die Punkte in folgendem Beispiel (links), eher eine waagerecht übereinanderliegende, als eine senkrecht verlaufende Linienstruktur.

Durch diese Interpretation unseres Gehirnes sind wir auch in der Lage, gerasterte, gedruckte Bilder als solche zu erkennen. Das Prinzip findet auch in der Blindenschrift Anwendung. Die Buchstaben der sogenannten “Braille”-Schrift werden von hinten durch das Papier durchgedrückt. Mit dem Finger wird diese Schrift dann gelesen.
Dieses Gesetz ist in seiner Gültigkeit jedoch nicht auf Punkte beschränkt, sondern gilt für jegliche Elemente und deren optisch wirksame Beziehung zueinander. Deutlich wird dies im rechten Beispiel. Zwei dichter beieinanderliegende Linien werden eher in Zusammenhang gebracht, als bspw. die zweite und dritte Linie von links.
Gesetz der Geschlossenheit
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Fehlendes wird einfach ergänzt. Sehen wir beispielsweise einen Kreis, bei dem eine Stück der Linie fehlt, so wird diese in unserem Gehirn ergänzt und die Figur trotzdem als Kreis erkannt. Hier kommt das Gesetz der Geschlossenheit zur Anwendung. Uns sind Kreise so vertraut, dass unser Gehirn eine nicht fortgesetzte Linie sofort ergänzt, um einen kompletten Kreis zu erhalten. |
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Gesetz der Ähnlichkeit |
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Ähnlich wie beim Gesetz der Nähe, wird mit dem Gesetz der Ähnlichkeit die Fähigkeit unseres Gehirns beschrieben, dicht beieinander liegende Objekte, die ähnliche Eigenschaften haben, als ein Ganzes zu betrachten. Hierbei wird die Zusammengehörigkeit mehrerer Elemente neben der Nähe noch durch ähnliche Eigenschaften in Form oder Farbe verstärkt (siehe Abbildung rechts oben). Rechts unten ist ein Kunstwerk zu sehen, bei dem dieses Gestaltgesetz Anwendung fand. Aus vielen einzelnen Figuren wurde im Gesamtbild das Portrait einer Person erschaffen. Unser Gehirn erkennt, dass die Objekte die gleiche Größe haben, das reicht aus, um von unserem Gehirn als ganzes Bild interpretiert zu werden. Die unterschiedlichen Farben der Figuren ergeben voneinander getrennte Flächen, wodurch die Gesichtszüge im Bild sichtbar werden. |
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Gesetz der Erfahrung
Auch die Erfahrung einer Person, die ein Logo betrachtet, spielt bei der Interpretation dessen eine große Rolle. So besitzen wir die Fähigkeit, für uns unfertige Objekte auf Grundlage von erworbenem Wissen zu etwas Ganzem zu vervollständigen. Anhand von folgendem Beispiel wird dies besonders deutlich.
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Auf dem Bild sind lediglich drei nicht zusammen- hängende Linien dargestellt. Trotzdem können wir einen Buchstaben erkennen, da wir die fehlenden Linien vor dem geistigen Auge ersetzen. Ein Analphabet oder eine Person aus einem Land mit anderen Schriftzeichen als den lateinischen, wäre dazu nur schwer oder gar nicht in der Lage, da die notwendigen Erfahrungen als Grundlage für die Interpretation des Abgebildeten fehlen. |
Dieses Gesetz sollte man beim Entwurf eines neuen Logos unbedingt beachten. Ist ein bestimmtes Vorwissen für ein Logo nötig um es zu verstehen, kann dies verhängnisvoll werden, wenn das Logo z.B. auch international / in anderen Kulturkreisen verwendet wird. Dort könnte dieses Vorwissen nicht vorhanden sein und damit das Logo nicht verstanden werden.
Differenzierung von Figur und Grund
Bei der Gestaltung eines Logos ist die eindeutige Differenzierung von Figur und Grund zu beachten, da ein Logo sonst schnell fehlinterpretiert werden kann. Teile, die eigentlich der Figur des Logos zuzuordnen wären, könnten ausversehen als Hintergrund erkannt werden und umgekehrt. Kleine Flächen werden dabei eher als Figur und größere Flächen als Hintergrund interpretiert. Bei einer Aufteilung in Schwarz und Weiß wird Schwarz mit größerer Wahrscheinlichkeit als Figur und Weiß als Hintergrund interpretiert. So lässt sich schwarze Schrift auf hellem Untergrund leichter erkennen, als weiße Schrift auf dunklem Hintergrund. Der dänische Psychologe Edgar Rubin (1886 – 1951) veröffentlichte 1915 zum ersten Mal sein Bild einer mehrdeutigen Figur-Grund-Situation, welches auch als Rubin’sche Vase bekannt ist. Bei diesem Beispiel ist eine einseitige Definition von Grund und Figur nicht möglich.

Je nach Fokussierung ist eine Vase auf dem Bild zu erkennen (Figur = Weiß) oder zwei sich gegenüberstehende Gesichter (Figur = Schwarz). Eine gleichzeitige Erkennung beider Motivvarianten zur selben Zeit ist jedoch nicht möglich, da im Bild durch unser Gehirn immer eine Fläche als Grund und eine als Figur interpretiert wird.
Diese Tatsache hat sich auch M. C. Escher für einige seiner Bilder zu Nutze gemacht. So können im rechten unteren Bild entweder Fledermäuse oder Engelsfiguren erkannt werden.

Gesetz der Prägnanz
Das Gestaltgesetz der Prägnanz besagt, dass das menschliche Gehirn bei der Betrachtung von mehreren Elementen immer das Element am stärksten wahrnimmt, welches sich durch ein bestimmtes Merkmal von den anderen abhebt, d.h. dass dieses Element eine sogenannte Prägnanztendenz besitzt. Dabei spielt die Komplexität der betrachteten Elemente eine wichtige Rolle. Sehr einfache Strukturen werden von uns schneller wahrgenommen und prägen sich besser ein. Solche prägnante Formen oder “gute Gestalten” sind beispielsweise ein Kreis, ein Dreieck oder ein Rechteck. Diese begegnen uns im täglichen Leben, sind uns bereits bekannt und können leicht interpretiert werden. Des Weiteren spielen eine hohe Symmetrie sowie ein starker Kontrast eine wichtige Rolle für die Förderung des Wiedererkennungseffektes.
Bei folgendem Beispiel sehen Sie wahrscheinlich einen Kreis und ein Rechteck, die sich überschneiden, obwohl eigentlich eine zusammenhängende schwarze Fläche gezeigt wird.

Die zwei Einzelelemente, die wir zu erkennen meinen, sind uns wesentlich bekannter, als eine asymmetrische schwarze Fläche, daher vereinfacht unser Gehirn diese komplexe Figur, in dem es diese automatisch in zwei einfachere, uns bekannte Figuren zerlegt.
Kleine Berichtshistorie:
Logodesign - “Die Grundbegriffe”
Logodesign - ”Die Gestaltung & Das Format”
Literatur-Quelle:
Logodesign von Sabine Hamann, 2007 erschienen im mitp-Verlag
Internet-Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Gestaltpsychologie
http://www.kommdesign.de/texte/gestaltpsychologie1.htm
Der Autor: Nora


























