Seit einiger Zeit beschäftigt mich die Frage, was jemand wissen muss, dessen gestalterische Ideen nicht für den Desktop sondern für die breite Öffentlichkeit gedacht sind. Eigentlich ist es ganz einfach! Man hat eine grandiose Idee, hält sie auf Papier fest und setzt sie dann in einem Programm seiner Wahl um. Speichern! Fertig! Und ab zum Drucker! Aber da es uns das Leben bekanntlich nie sooo einfach macht, hat auch diese Angelegenheit ihre kleinen versteckten Haken.
Bei vielen Druckereien findet man in den Druckanforderungen den Hinweis, dass das Übermitteln der Daten als PDF-Datei der sicherste Weg ist. Da wir ja alle sehr sicherheitsbewusst sind, habe ich meine super Visitenkarte über die Funktion Exportieren als PDF gespeichert und an die Druckerei meines Vertrauens geschickt. Kurze Zeit später kam die Mitteilung, dass meine Datei nicht druckfähig ist. Bitte? Wieso das denn? Was ist denn an meiner PDF-Datei falsch?
PDF ist eben nicht gleich PDF!
Bei genauerer Betrachtung bemerkte ich das X und einen Zahlencode hinter PDF in der Druckanforderung und wurde stutzig. Google sei Dank, fand ich schnell die erleuchtende Erklärung.
Übersetzt man PDF (Portable Document Format), bedeutet es nichts anderes als tragbares Datenformat. Es wurde entwickelt, um Daten von einer Agentur in die Druckerei zu tragen. Das heißt, es diente in erster Linie dem Druckdatenaustausch. Durch das ständige Weiterentwickeln und Aufmotzen konnte dieses Format bald viel mehr als nur Druckinformationen speichern. Es ließen sich Audiodateien, Skripte und vieles mehr integrieren. Diese Daten sind jedoch für den Druckdatenaustausch eher unwichtig, da es wenig Sinn macht, sein persönliches Lieblingslied auszudrucken. Um also zu den Wurzeln zurückzukehren und wieder den spezifischen Anforderungen der Druckvorstufe zu genügen, entwickelte man den PDF/X-Standard. Es ist ein Anwendungs- sowie Datenformatstandard, der sogar ISO-genormt (ISO-Standard 15930) ist. Das bedeutet: mit diesem Standard wird genau festgelegt, welche Informationen in einer PDF-Datei enthalten sein müssen, die nach dem PDF/X-Standard erstellt bzw. gespeichert wird. Das „X“ steht übrigens für Exchange.
Das Ziel ist es, das Leben für alle am Austausch Beteiligten einfacher zu machen. Der Standard gewährleistet, dass die übermittelten Daten alle Informationen enthalten, die der Drucker bzw. die Druckvorstufe benötigt, um die kreativen Ideen des Kunden optimal umzusetzen und zu verwirklichen. So sind vor allem genaue Angaben zu den Mischverhältnissen der zu druckenden Farben enthalten, oder Angaben zum Beschnitt.
Da die digitale Welt jedoch sehr schnelllebig ist, gibt es inzwischen verschiedene PDF/X-Standards. In Europa haben sich der PDF/X-1a und der PDF/X-3-Standard etabliert. Diese beiden Standards lassen sich folgendermaßen beschreiben:
PDF/X-1a
Grundsätzlich müssen sowohl Dateien nach PDF/X-1a-Standard als auch nach PDF/X-3-Standard eindeutig interpretierbare Farbangaben, sowie Angaben zur Überfüllung enthalten. In PDF/X-1a sind nur CMYK und Schmuckfarben erlaubt. Verwendete Schriften werden eingebettet und alle Bilddaten, die zur Gestaltung verwendet wurden, werden fester Bestandteil des PDF. Alle Daten, die den Druckvorgang stören könnten (wie Kommentare, Formularfelder oder Verschlüsselungen) werden ausgeschlossen und nicht zugelassen. Dafür werden Angaben zur Anordnung der Seiten bzw. der Seitenbegrenzung (Endformat/Anschnitt) genau festgelegt.
PDF/X-3
Der PDF/X-3 Standard ist eine Erweiterung des PDF/ X-1a Standards und hat das medienneutrale Arbeiten zum Ziel. Das klingt komplizierter als es ist. Es bedeutet lediglich, dass zusätzlich zu den CMYK und Schmuckfarben auch andere Farbräume wie RGB mit eingebunden werden können. Hier wird jedoch vorausgesetzt, dass diese als ICC-Profile gekennzeichnet (eingebettet) sind, da sie ja Lab- und ICC-basierte Farbräume darstellen. Dies bietet den Vorteil, ein und dieselbe Datei für mehrere Druckarten (Zeitung, Zeitschrift, Werbedruck und Digitaldruck) und gleichzeitig auch für die Publikation im Internet verwenden zu können.
PDF/X-2
Der letzte und jüngste Standard löst weitere Restriktionen auf und ermöglicht einen offenen Datenaustausch. Da sich dieser Standard jedoch nicht wirklich durchgesetzt hat, wird er an dieser Stelle nur erwähnt und nicht weiter ausgeführt. Bei der Recherche zu diesem Thema bin ich auf sehr interessante Seiten gestoßen, die Antworten auf fast alle Fragen liefern, die man sich zu diesem Thema denken kann. Wer noch nicht genug von X-3 und X-1a hat, kann sich dort ja noch ein bisschen umsehen.
Beiträge rund ums Thema PDF erstellen, exportieren, konvertieren, beschneiden,… http://www.hilfdirselbst.ch/foren/PDF_in_der_Druckvorstufe_Forum_22.html
ausführlich Antworten auf fast alle Fragen zum Thema PDF/X
http://www.pdfx-ready.ch/index.php?session=7335198&show=220
Mein Fazit nach dem Studium dieser ganzen Informationen: Dieses Format ist ursprünglich für Profis entwickelt worden und es hat sich daran nicht viel geändert. Da ich aus Sicherheitsgründen allerdings nicht von diesem Format ablassen möchte, werde ich mich mal schlau machen, wie schwierig das Ganze wirklich ist, und wie man das denn nun wirklich macht mit dem PDF/X abspeichern.
Fortsetzung folgt…
Der Autor: Andrea




















