Die 30 Tage Testversion von Photoshop und Co. ist abgelaufen. Visitenkarten müssen aber trotzdem erstellt werden. In diesem Tutorial zeige ich Ihnen, wie Sie mit dem kostenlosen Grafikbearbeitungsprogramm “GIMP” und dem CMYK Plugin “Seperate” druckfähige Visitenkarten erstellen können. Es ist ein etwas größere Anleitung, weswegen Leser, die noch nie mit GIMP gearbeitet haben, etwas mehr Zeit einplanen sollten.
In diesem Artikel entwerfe ich eine Karte im Stil eines alten amerikanischen Briefumschlages. Warum gerade so etwas? Ich hatte vor kurzem erst so ein Ding in der Hand und fand die Idee nicht schlecht, so einen Umschlag in eine Visitenkarte zu verpacken. Für welche Branche allerdings…vielleicht für einen Floh- oder Trödelmarkt?

Vorbereitungen - das benötigen dazu
1. natürlich GIMP
2. eine Textur von altem Papier - zu erhalten entweder bei zentextures.com, cgtextures.com oder sxc.hu. Suchen Sie einfach nach altem Papier. Meine Textur ist diese “Textur altes Papier”, es kann aber eine beliebig andere gewählt werden.
3. Eine alte amerikanische Briefmarke
4. Folgende Farbwerte: #F3D37D (das Gelb des Umschlags), #FE0002 (das Rot der Rechtecke), #010D5F (das Blau der Rechtecke), #DBDBDB (das Grau der Rechtecke)
Es kann losgehen
In GIMP nehmen Sie folgende Einstellungen vor. 91×61mm (3mm extra pro Seite da Randbeschnitt), 300dpi, RGB Farbmodus. Die Hintergrundfarbe ist unwichtig, diese wird später eh geändert.

Mit einem Klick auf das Farbfeld der Vordergrundfarbe, wird im nachfolgenden Dialog die Farbe auf den Wert: #F3D37D (das gelb des späteren Umschlags) geändert und die Arbeitsfläche mit dem Farbeimer (Umschalt+B) eingefärbt.

Als nächstes ziehen wir uns Hilfslinien in das Dokument, die uns zeigen, wo der spätere Randbeschnitt sein wird. Klicken und halten Sie dazu einfach mit der linken Maustaste auf das jeweilige Lineal am äußeren Rand und ziehen Sie die Linie nach innen. Jede Linie in einem Abstand von 3mm. Legen Sie außerdem weitere Hilfslinien im Abstand von 5mm zum nächsten Rand an. Somit sind Sie auf der sicheren Seite mit den späteren Grafiken im Dokument.

Jetzt öffnen Sie die heruntergeladene Textur über Datei -> öffnen. (Gimp öffnet jede Datei in einem eigenen Fenster. Sollte die Textur nicht zu sehen sein, holen Sie diese über Fenster -> Dateiname in den Vordergrund). Anmerkung: Ich öffne die Datei deswegen nicht in eine neue Ebene, da ich diese Textur noch zurechtschneiden muss.

Benutzen Sie die “rechteckige Auswahl” um die Mitte der Textur zu markieren. Drücken Sie anschließend STRG+C, wechseln die über Fenster->Dateiname in die Visitenkarte und fügen Sie die ausgeschnittene Auswahl der Textur mittels Bearbeiten->Einfügen als->neue Ebene ein.


Die kopierte Textur füllt nun das gesamte Dokument aus, so dass wir sie verkleinern müssen. Dies geschieht über die Tastenkombination Umschalt+T. Folgender Dialog öffnet sich, in dem die benötigten Werte (88mmx58mm) eintragen werden und der Dialog mit “Skalieren” bestätigt wird.

Die Textur ist nun verkleinert. Benennen Sie, der Übersicht halber, die neue Ebene in “Textur” um. Als nächstes wird die Hintergrundfarbe sichtbar gemacht. Ändern Sie dazu den Ebenenmodus der Ebene Textur in “Multiplikation” und ändern Sie die Deckkraft auf 60%. Hinweis: Das Ebenenfenster ist über das Tastaturkürzel STRG+L aufrufbar.
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Nun folgt der Teil des Designs, welcher am meisten Zeit in Anspruch nehmen wird. Ab jetzt arbeiten wir mit sehr vielen Ebenen. Beginnen wir mit der ersten. Legen Sie eine neue Ebene an und geben Sie dieser den Namen “Rechtecke original”.

Zeichnen Sie mit der “rechteckigen Auswahl” ein Rechteck in die Arbeitsfläche und füllen Sie es mit dem unter Vorbereitungen erwähnten Rot.

Duplizieren Sie die Ebene “Rechtecke original”, ziehen Sie sie mit dem “Verschieben” Werkzeug direkt neben die erste und füllen Sie sie mit dem Blau. Führen Sie diesen Schritt ein zweites Mal für das graue Rechteck durch, bis sie Folgendes erhalten:

Hinweis: Vergrößern und Verkleinern funktioniert in GIMP mit dem Plus und dem Minus auf dem Ziffernblock.
Markieren Sie als nächstes die oberste Ebene und verbinden Sie diese mit den beiden darunterliegenden. Am Ende bleibt nur eine Ebene mit dem Namen “Rechtecke original” zurück.

Seien Sie mit der Größe der Rechtecke ruhig großzügig. Wir werden die Länge später brauchen.

Als nächstes rotieren wir die Ebene “Rechtecke original” um 20 Grad. Klicken Sie dazu in der Werkzeugleiste auf das “Rotieren” Werkzeug und klicken Sie in der Arbeitsfläche auf die Rechtecke. Im folgenden Dialog tragen Sie unter Winkel 20 ein und bestätigen Sie.

Ziehen Sie die Rechtecke in eine Position, wie auf dem Bild zu sehen. Anschließend duplizieren Sie die Ebene “Rechtecke original” und ordnen Sie die Kopie neben den ersten Rechtecken an. Dies wiederholen Sie so lange, bis das gesamte Dokument mit Rechtecken “umzingelt” ist.



Nun haben wir sehr viele Ebenen mit Namen “Rechtecke original”. Das macht das Arbeiten ziemlich unübersichtlich. Also vereinen wir alle Ebenen mit den Rechtecken zu Einer. Rechtsklicken Sie auf die oberste Ebene und wählen Sie “Nach unten vereinen”, bis nur noch eine Ebene mit Rechtecken übrig ist.

Stellen Sie sicher, daß die Ebene “Rechtecke original” ausgewählt ist, markieren Sie mit der rechteckigen Auswahl die Mitte des Dokuments und löschen Sie den Inhalt mit der Taste “Entfernen”. Zurück bleibt der Rand des Briefumschlags.

Ändern Sie anschließend den Ebenenmodus auf “Multiplikation” und die Deckkraft auf 80%.

Der Umschlag sieht nun aber noch etwas zu neu aus. Als Vordergrundfarbe stellen Sie das Gelb des Briefumschlags ein. Mit dem Radierer werden nun die Ränder ausradiert. Achten Sie darauf, daß Sie in der korrekten Ebene radieren. Bei der Radierung kommt es auf Ihren persönlichen Geschmack an. Probieren Sie einfach etwas. Legen Sie zur Sicherheit vorher eine Kopie der Ebene “Rechtecke original” an, damit Sie bei Bedarf den Ausgangspunkt wiederherstellen können. Die Kopie erstellen Sie mit Rechtsklick auf die Ebene->Ebene duplizieren.


Der Rand des Umschlags wäre nun fertig. Widmen wir uns als nächstes der Briefmarke. Diese liegt nur in 72dpi vor und muss zuerst in 300dpi konvertiert werden. Öffnen Sie dazu die Briefmarke, wählen Sie Bild->Bild skalieren und ändern die Werte X-Auflösung und Y-Auflösung in 300.

Schneiden Sie anschließend nur den Inhalt ohne Zacken aus, kopieren Sie diesen (STRG+C) und fügen Sie diese mittels neuer Ebene in die Visitenkarte ein. Ändern Sie den Namen der Ebene und blenden Sie sie mit dem “Auge” aus. Wir erstellen zuerst den zackigen Untergrund.

Erstellen Sie eine neue Ebene mit Namen “Briefmarke_Untergrund” und ziehen Sie mit der rechteckigen Auswahl ein Rechteckt, welches einer Briefmarke entspricht. Füllen Sie die Auswahl mit #E0AA84. Heben Sie anschließend die Markierung auf, indem Sie mit der rechteckigen Auswahl irgendwo ins Dokument klicken. Duplizieren Sie diese Ebene. Wählen Sie die erste Ebene des Briefmarkenuntergrundes und gehen Sie den folgenden Weg: Filter->Verzerren->Zacken. Stellen Sie die Werte ein wie auf dem Bild zu sehen.


Dasselbe für die vorher kopierte Ebene. Nur hier stellen Sie die Orientierung auf Vertikal. Jetzt besteht allerdings das Problem, daß die Kopie genauso groß ist wie das Original und somit etwas skaliert werden muss. Wählen Sie Ebene->Ebene skalieren und skalieren Sie solange die Höhe und Breite, bis Sie die beiden Ebenen aussehen wie eine Briefmarke.

Anschließend vereinen Sie beiden Ebenen zu einer. Machen Sie die Briefmarkenebene mit dem Auge wieder sichtbar und ändern Sie per Drag and Drop die Ebenenreihenfolge. Ziehen Sie den Markeninhalt einfach über den Untergrund. Der Inhalt ist jetzt noch etwas zu groß, das auch dieser skaliert werden muss. Auch hier müssen Sie leider mit den Werten spielen bis es passt. Um beide Werte gleichzeitig zu ändern, aktivieren Sie die kleine Kette neben den Eingabefeldern. Bekommen Sie die Briefmarke nicht perspektivisch korrekt zum Untergrund skaliert, verändern Sie einfach diesen.

Am Ende sollte etwas in der Art herauskommen.

Sind Sie mit der Skalierung zufrieden, vereinen Sie die beiden Briefmarkenebenen zu einer. Ziehen Sie die Briefmarke in Position (achten Sie auf den Randbeschnitt) und duplizieren Sie diese dreimal. Jede Kopie der Ebene wird ein bißchen in jede Richtung gedreht.

Nun unterlegen wir jede Marke mit einem kleinen Schlagschatten Filter-> Licht und Schatten -> Schlagschatten mit folgenden Einstellungen:

Kommen wir nun zum Stempel. Als erstes erstellen wir die Wellen. Erstellen Sie eine neue Ebene. In dieser markieren Sie mit dem rechteckigen Auswahlwerkzeug eine lange ca. 2px breite Linie und füllen Sie diese mit schwarz. Wählen Sie anschließend Filter->Verzerren->IWarp, stellen Sie einen Deformierungsradius von 30 ein und verzerren die Linie zu einer schönen Sinuskurve, wie auf dem Bild ersichtlich.

Sind Ihre Wellen etwas zu lang geraten, skalieren Sie sie einfach herunter. Plazieren Sie die erste Welle über den Briefmarken und duplizieren Sie die Ebene ca. 5mal. Jede Kopie ordnen Sie unter der ersten an. Vereinen Sie anschließend alle Wellenebenen zu einer und bewegen Sie sie direkt über die Briefmarken (auch hier auf den Randbeschnitt achten).

Da Poststempel aber nicht überall gleich schwarz sind, fügen wir eine Ebenenmaske hinzu und wenden einen Farbverlauf an. Zuerst Drücken Sie einmal die Taste “D”, um die Farben auf Standard einzustellen (Vordergrund: schwarz - Hintergrund: weiß). Rechtsklicken Sie anschließend auf Ihre Wellenebene und fügen Sie eine Ebenenmaske hinzu. Bei “Ebenemaske initialisieren nach” bitte “weiß - volle Deckkraft”. Unter Nutzung des Farbverlaufwerkzeuges lassen wir die Wellen nach einer Seite auslaufen. Ziehen Sie dazu einfach einen Farbverlauf von rechts nach links. Auch hier kommt es auf Ihren persönlichen Geschmack an. Jenachdem wie lang sie den Verlauf gestalten, desto mehr oder weniger wird ausgeblendet. Wenn sie ferig sind, ändern Sie die Deckkraft der Wellenebene auf 60%.

Wenn sie fertig sind, ändern Sie die Deckkraft der Wellenebene auf 60%.

Fehlt eigentlich nur noch der Poststempel und die Beschriftung. Für den Stempel erstellen Sie eine neue Ebene und erstellen mit der elliptischen Auswahl einen runden Kreis. Hinweis: Wenn Sie Umschalt gedrückt halten, wird die Auswahl gleichmäßig vergrößert. Füllen Sie die Auswahl mit der Farbe schwarz und wählen Sie Auswahl->verkleinern->3 Pixel (die Auswahl auf Pixel stellen). Löschen Sie anschließend die Auswahl mit “Entfernen”. Zurück bleibt der schwarze Rand des Kreises.

Erstellen Sie eine Kopie des Kreises und skalieren Sie diesen nach unten.

Wieder erstellen wir eine neue Ebene und mit der rechteckigen Auswahl ein Rechteck mitten im Stempel.

Erneut Auswahl->Verkleinern->2 Pixel. Löschen des Inhalts mittels “Entfernen”. Nun wird die Ebene des inneren Kreises ausgewählt und mit der rechteckigen Auswahl der noch sichtbare Teil des inneren Kreises gelöscht.


Mit dem Textwerkzeug, schreiben Sie in das Rechteck einfach den Namen der Stadt Ihrer Wahl. Vereinen Sie abschließend alle Ebenen des Stempels zusammen mit dem Text zu einer und richten Sie die Endebene aus.

Jetzt sieht das Ganze noch etwas frisch und neu aus. Dies ändern wir mit derselben Technik wie wir auch den Rand alt gemacht haben. Wählen Sie den Radierer und radieren Sie großzügig. Die Vordergrundfarbe wieder auf das Gelb stellen. Die Deckkraft auf 80% stellen.

Bleibt nur doch der Inhalt der Visitenkarte, den ich Ihnen leider nicht abnehmen kann.
Sind Sie komplett fertig mit der Visitenkarte, müssen alle Ebenen noch auf eine einzige vereint werden, da das Plugin “Seperate” zum Erstellen von CMYK nicht mit Ebenen klarkommt. Markieren Sie dazu die oberste Ebene und arbeiten Sie sich nach unten. Sollten Fehler auftreten, gehen Sie im Journal (der gelbe Pfeil neben den Ebenen) zurück und korrigieren Sie ihn. Legen Sie am besten vorher eine extra Sicherungskopie an, um das Originaldokument noch irgendwo verfügbar zu haben.
Bleibt mir nur noch Ihnen viel Spaß zu wünschen. Sollten Fragen oder Probleme auftreten, zögern Sie nicht diese zu stellen. Eine ausführliche Anleitung, wie mit dem PlugIn Seperate die Daten in den CMYK Farbraum umgewandelt werden, finden Sie hier: Anleitung RGB zu CMYK

Der Autor: SteAm






















