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Viele haben über die Feiertage frei und nutzen die Zeit um in den Urlaub zu fahren oder andere, kleinere Ausflüge zu unternehmen. Für alle, die nicht in den Urlaub fahren können, habe ich deshalb hier einen Tipp für einen Kurzausflug in eine andere Welt. Zum Geburtstag meiner Schwester wurden wir diesmal ins Restaurant eingeladen. Doch es war |
nicht irgendein Restaurant sondern ein „Dunkelrestaurant“. Wir waren nämlich zu Gast im Nocti Vagus in Berlin.
Nocti Vagus kommt aus dem lateinischen und heißt so viel wie „in der Nacht umherschwirren“. Das Besondere an diesem Restaurant ist, dass alle Kellner blind sind bzw. eine Sehbehinderung haben.
Vertrauen ist der Anfang von allem - dieses Motto ist Programm im Restaurant Nocti Vagus. Nach betreten des Lokals wird erst einmal Platz in der Loge genommen. Wir bekamen etwas zu trinken und konnten uns aus der Speisekarte eines von 4 Menüs aussuchen. Ein Menü war für Vegetarier, eins mit Fisch, eins mit Fleisch und dann gibt es noch ein Überraschungsmenü. Beim Überraschungsmenü wird vorher erfragt, was derjenige nicht isst oder wogegen er allergisch ist. In Abstimmung mit dem Gast wird dann ein Menü zusammengestellt. Wir hatten uns alle für das Überraschungsmenü entschieden und haben diese Entscheidung nicht bereut.
Nachdem wir das Menü ausgewählt hatten, wurden wir in den Keller des Restaurants geführt. Bis dahin konnten wir noch alles sehen, da das Licht an war. Nachdem wir in einer sogenannten Durchgangsschleuse angekommen waren und die Tür hinter uns geschlossen war, wurde es dunkel. Auf ein Klopfzeichen hin und durch Verständigung mittels eines Funkgerätes wurde die Tür zum Restaurant geöffnet und unser Kellner (Wolfgang) nahm uns in Empfang. Händchenhaltend wurden wir an der Hand des Kellners durch das Restaurant zu unserem Platz geführt.
Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht was Dunkelheit wirklich bedeutet. Am Tisch angekommen tasteten wir den Tisch ab und versuchten zu erfühlen, wer wo sitzt. Um uns herum müssen sehr viele Gäste gewesen sein. Im Restaurant selber war es sehr laut. Da keiner ein Gefühl dafür hatte wie weit der andere von einem entfernt saß, wurde automatisch lauter gesprochen als sonst üblich. Wolfgang, unser Kellner, erklärte uns den Ablauf und bat uns ihn zu rufen, wenn wir etwas benötigten.
Die Zeit verging sehr schnell, da alles so neu für uns war und wir versuchten uns zu orientieren. Durch die Aufregung, war es anfänglich schwer sich zu entspannen und der Versuch etwas zu sehen verursachte ein wenig Kopfschmerzen. Nachdem ich jedoch die Augen geschlossen hatte, konnte ich mich entspannen und die Atmosphäre auf mich wirken lassen. Wolfgang brachte uns die Getränke und drückte jedem ein Glas in die Hand. Auch die Teller wurden nicht einfach auf den Tisch gestellt, sondern in die Hand gegeben. Da wir das Überraschungsmenü gewählt hatten, wussten wir nicht was wir essen. Ich kann nur sagen, dass es sehr lecker war. Allerdings sollte man sich keine Flecken empfindliche Kleidung anziehen, da das Klecker Risiko sehr hoch ist. Mit Messer und Gabel wurde der Teller abgetastet. Um sicher zu stellen, dass auch wirklich nichts mehr auf dem Teller war, haben einige den Teller mit Fingern abgetastet. Schließlich sollte ja nichts übrig bleiben.
Da nach jedem Gang die Hände gewaschen werden mussten, hat Wolfgang uns immer zu Tür begleitet, damit wir ins Bad konnten. Das Bad war übrigens wieder normal beleuchtet. Insgesamt kann ich sagen, dass es ein sehr aufregender und spannender Abend war. Die Kellner waren sehr freundlich und es ist einem nicht schwer gefallen ihnen zu Vertrauen. Am Ende des Menüs hat Wolfgang uns übrigens erklärt, was wir gegessen haben. Die Überraschung war groß, da wir etwas ganz anderes vermutet hatten. Ich für meinen Teil kann das Restaurant jedenfalls nur empfehlen.
Mehr Informationen zu dem Restaurant findet Ihr unter: www.noctivagus.com
Der Autor: Andrea





















