Nachdem ich glücklich und zufrieden mein Wissen über den PDF/ X-3 Standard ausgebaut hatte und dachte, ich könnte mich zurücklehnen und in Ruhe probieren wie ich die Dateien denn nun in den verschiedenen Programmen speichern kann, wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass es ja bereits einen X-4 Standard gibt. Und bei näherer Betrachtung fand ich sogar einen X-5. Nein, kein Auto! (…) Und was ist an denen jetzt neu und anders? Um das zu klären, …
gehen wir noch einmal einen Schritt zurück.
Der PDF/X Standard ist ein Dateiformat, das den Austausch von Druckdaten vereinfachen soll. Dafür wurden diese Formate sogar nach ISO genormt, wobei die ISO 15929 den PDF/X-Ansatz insgesamt beschreibt und die ISO 15930-x konkrete Normteile definieren. Das heißt, unter PDF/X-Standard gespeicherte Dateien enthalten nur Daten, die die Druckerei auch wirklich benötigt und verarbeiten kann um ein gutes Druckergebnis zu gewährleisten.
Begonnen hat das Ganze in 2001 mit ISO 15930-1:2001. Gefolgt wurde diese Norm von der ISO 15930-2: die ursprünglich zwar als Fassung von PDF/X-2 geplant war, jedoch nie erschienen ist. Die Normen beschreiben also alle Komponenten, die das gespeicherte PDF enthalten darf und muss.
Auf der Seite http://www.iso.org/iso/iso_catalogue/catalogue_tc/catalogue_detail.htm?csnumber=42877 findet man all diese Normen mit einer kurzen Beschreibung.
Uns interessieren an dieser Stelle vor allem die beiden jüngsten Standards aus dem Jahr 2008.
ISO 15930-7:2008
Graphic technology - Prepress digital data exchange using PDF - Part 7: Complete exchange of printing data (PDF/X-4) and partial exchange of printing data with external profile reference (PDF/X-4p) using PDF 1.6.
Dieser Standard enthält bzw. erlaubt CMYK, Graustufen, RGB und Schmuckfarben. Zusätzlich werden Transparenzen und „Ebenen“, JPEG2000, 16-bit Bilddaten und OpenType-Fonts zugelassen. Werden ICC-Profile benötigt, können diese in einer Datei des PDF/X-4p Standards verschlüsselt werden.
ISO 15930-8:2008
Graphic technology - Prepress digital data exchange using PDF - Part 8: Partial exchange of printing data using PDF 1.6 (PDF/X-5).
Dieser Standard weist alle Features des PDF/X-4 Formates auf und bietet laut Wikipedia „zusätzlich die Möglichkeiten wie in PDF/X-2 Mehrkanal-ICC-Profile mittels eines referenzierten Zielprofils im Output Intent zu verwenden“. Zu erklären, was das genau bedeutet, würde an dieser Stelle zu weit führen bzw. die Sache unnötig verkomplizieren.
Wie bereits erwähnt bauen die Standards aufeinander auf und werden kontinuierlich erweitert und verbessert. Das Neue an PDF/X-4 ist die Verwendung von „echten“ Transparenzen. Diese mussten bisher beim PDF-Export immer reduziert werden. Mit dem neuen Standard wird dies nun im PDF-Verarbeitungsfluss nach hinten verschoben. Das heißt die Transparenzen werden erst in einem späteren Arbeitsschritt reduziert, oder geflattet, wie der Fachmann sagen würde. Daraus soll sich eine höhere Produktionssicherheit ergeben und die Probleme, die bisher mit Transparenzen bestanden, sollten reduziert bzw. sogar ausgeschlossen werden können.
Das Problem derzeit ist jedoch noch, dass viele Druckereien in ihrem Workflow, das heißt der Weiterverarbeitung der gelieferten Dateien, auf Technologien zurückgreifen, die keine Transparenzen handeln können. Adobe stellt deshalb seit einiger Zeit seine PDF Print Engine zur Einbindung in bestehende Systeme zur Verfügung, die dieses Problem beheben kann.
Deshalb ist es extrem wichtig, sich vor dem Speichern der eigenen Daten über die Anforderungen der Druckerei zu informieren. PDF/X-4-Dokumente lassen sich zum einen erst ab Acrobat und Reader 7.0 öffnen und zum anderen können die enthaltenen Transparenzen zu enormen Fehlern in der Weiterverarbeitung führen, wenn die Druckerei über keine PDF Print Engine verfügt.
Sollte die Druckerei bereits in der Lage sein, die neuen Standards zu handeln, ist es wichtig auf die in der Norm definierte Kompatibilität zu achten. Das heißt, beim Speichern/ Exportieren einer PDF/X-4 Datei muss die Kompatibilität 1.6 eingestellt werden, damit eine fehlerfreie Datei generiert werden kann. Auch hier empfiehlt es sich, vorher bei der Druckerei einmal nachzulesen bzw. nachzufragen. Auch sind die exportierten Dateien aus bestimmten Programmen derzeit noch mit Vorsicht zu genießen. Einige Programme der Adobe-reihe die vor der Veröffentlichung der endgültigen ISO-Norm erschienen sind basieren auf den PDF/X-4 draft. Ab den Versionen Acrobat 9 und Creative Suite 4 sollten jedoch keine Probleme mehr auftreten.
In diesem Sinne: Da sind wir doch wieder ein Stückchen schlauer geworden.
Der Autor: Andrea




















